Entstehung

Ihr erinnert euch sicher noch an Heinz Sablatnig, den Berufsdetektiv und neuen Ermittler meiner Kärnten-Krimis? Der Erstling „Ein Mord am Wörthersee“ erschien heuer im Juni und wurde bereits drei Monate später nachgedruckt. Mittlerweile habe ich Teil zwei fertiggeschrieben und vergangene Woche beim Verlag abgegeben. Die Geschichte handelt von dem Raubmörder Guido Raunjak, der nach dreizehn Jahren auf Bewährung aus der Haft entlassen wird und sich augenblicklich auf die Suche nach der Beute des damaligen Raubzugs macht. Diese wurde von seiner Freundin Simone versteckt, die kurz darauf verstarb. Da sie niemandem erzählt hat, wo die Beute steckt, tappen die Ermittler im Dunkeln. Heinz Sablatnig, der von der Versicherungsgesellschaft Fiducia engagiert wird, die das Raubgut versichert hatte, geht davon aus, dass Simone eine Botschaft hinterlassen hat, die zu der Beute führt – diese aber so verschlüsselt hat, dass nur Raunjak sie verstehen kann. Deshalb heftet sich Heinz an die Fersen des Verbrechers.


In der Endphase der Arbeit bin ich etwas ins Strudeln geraten. Da war stilistisch noch viel zu gewinnen, doch es brauchte mehr Zeit, als ich eingeplant hatte. Das hat mich dazu gebracht, über die einzelnen Phasen nachzudenken, in denen ich ein Buch entwickle.

 

Am Anfang erscheint alles noch lustig und leicht, die Handlung entwickelt sich spielerisch lebendig, die Ideen sind frisch und alles ist noch möglich. Im Lauf der weiteren Entwicklung stellt sich Tiefe ein: Was ich in die Welt gesetzt habe, führt zu Konsequenzen, auf die ich reagieren muss und die auf den weiteren Verlauf der Handlung unmittelbare Auswirkungen haben. Je mehr solcher Abhängigkeiten aber entstehen, umso schwieriger wird es, in der Gestaltung flexibel zu bleiben, und umso mehr werde ich vom Vorantreibenden zum Vorangetriebenen. Die schriftliche Umsetzung des Werks muss bei mir in einem Guss vonstattengehen und ist deshalb mitunter eine Knochenarbeit, die manchmal leicht und manchmal schwer von der Hand geht, mich aber in jeder Phase fasziniert. Und dann, am Ende, das Überarbeiten … da erscheint alles nur noch mühsam und schwierig, die Last des Geschehenen scheint von jedem Wort mitgetragen zu werden, weshalb ich mir gründlich überlege, ob ich eine Formulierung durch eine andere ersetze, oder auch nur ein Wort durch ein anderes.

 

Ähnelt dieser Entwicklungszyklus nicht frappierend dem Lebenskreis eines Menschen? Auch bei uns war am Anfang noch alles möglich und wir haben unsere Zukunftsträume spielerisch umgesetzt. Auch wir sind in unsere Leben hineingewachsen, haben Spuren hinterlassen und Handlungen gesetzt, deren Konsequenzen unser weiteres Leben bestimmt haben. Und als wir aktive Rollen in der Gestaltung unseres sozialen Umfelds übernahmen, eine Familie gründeten, Kinder in die Welt setzten, einen Beruf ergriffen und uns sonst wie gesellschaftlich etablierten, mussten wir bei unseren Entscheidungen zunehmend Rücksicht auf andere nehmen und wurden dadurch immer unfreier in unseren Handlungen. In der Gegenwart angekommen, gestaltet sich das tägliche Leben einmal leicht und einmal schwer, doch nie lässt es uns unberührt. Und das Alter, nun ja, da habe ich noch keine eigenen Erfahrungen, aber was ich so beobachte, scheint das Alltägliche mühsam zu sein muss darum in jedem Schritt wohlbedacht werden.

 

Viele Autoren sehen ihre Bücher als ihre Kinder an. Ich tue das nicht, aber ich sehe in ihrem Entstehungsprozess dennoch eine starke Analogie zu jenem eines Menschen. Vielleicht sind die Parallelen aber auch die Grundprinzipien jeglichen Wachstums, wer weiß?

 

Das Buch erscheint übrigens voraussichtlich im Mai 2016; ich informiere euch dann rechtzeitig.

 

Ich wünsche euch eine schöne Woche,

 

euer Roland Zingerle

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