Hommage an Pogatschnig

 Im neuen Kneipen-Krimi bricht Universitätsprofessor Herbert Pogatschnig seine Zelte in Wien ab, um Ludwig Melischnig zu Hilfe zu kommen, dem besten Freund seines verstorbenen Zwillingsbruders Hubert. Wer aber ist dieser Herbert Pogatschnig und wer war eigentlich Hubert?

Hubert Pogatschnig, geboren am 11. November 1972, wuchs in Klagenfurt-Waidmannsdorf auf. Sein Vater war Schmied, seine Mutter Hausfrau und zusätzlich zu seinem Bruder Herbert hatte er noch eine Schwester namens Paula, die acht Jahre jünger war. Nach der Hauptschule absolvierte Hubert eine Lehre als Großhandelskaufmann. Der Grund dafür war sein Bruder: Schon von klein herrschte ein erbitterter Konkurrenzkampf zwischen den beiden. Obwohl sie eineiige Zwillinge waren, bestand der um einige Minuten „ältere“ Herbert darauf, dass der „Jüngere“ sich ihm unterwarf – wogegen Hubert sich stets empört auflehnte. Dieser Rangkampf führte dazu, dass Hubert darauf achtete, sich von Herbert abzugrenzen, und war es auch nur aus Prinzip. Wünschte Herbert sich Schokolade, griff Hubert zum Lutscher, obwohl er Lutscher gar nicht mochte. Bei der Wahl der Schule war es ähnlich: Hubert hätte gerne studiert, doch als Herbert sich für das Gymnasium entschied, entschied Hubert sich für die Hauptschule und als Herbert verkündete, studieren zu wollen, ergriff Hubert einen Lehrberuf. Er wusste von Anfang an, dass ihn die Tätigkeit als Großhandelskaufmann nicht ausfüllen würde, doch nahm er alles in Kauf, nur um nicht so zu sein wie Herbert.

Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Als Vertreter für einen Lebensmittelgroßhändler, der Gastronomiebetriebe betreute, war Hubert Pogatschnig vom Alltagstrott bald so unterfordert, dass er nach einem Ventil für seine Intelligenz und seine Kreativkräfte suchte. Zunächst ging er sowohl den Kollegen als auch den Kunden mit seiner übertrieben pingeligen Art auf die Nerven. Niemand konnte es ihm Recht machen, er sah sich selbst als das Maß der Dinge. Dann lernte er Ludwig Melischnig kennen. Die einen sagen, das Schicksal hätte die beiden im Zuge der Ermordung eines von Melischnigs Bierführer-Kollegen zusammengeführt, die anderen, Pogatschnig hätte sich auf Melischnigs Seite gestellt, als dieser von seinen Kollegen brutal ausgenutzt wurde. Wie auch immer, Pogatschnig und Melischnig fanden zusammen, weil jeder genau das brauchte, was der andere zu geben hatte. Melischnig brauchte Halt und Führung, Pogatschnig Anerkennung. Beide brauchten freundschaftliche Treue und – als Singles – einen Vertrauten, mit dem die Härten des Lebens leichter zu ertragen waren.

Mit Ludwig Melischnig an seiner Seite fand Hubert Pogatschnigs auch den richtigen Weg, seine berufliche Unterforderung auszugleichen. Wann immer ein Mordfall in Klagenfurt geschah, machte er sich mit Feuereifer daran, ihn aufzuklären, und zwar schneller, als die Polizei. Melischnig zog mit, auch wenn es ihm im Grunde egal war. Das änderte sich, als Hubert aufgrund eines dummen Missverständnisses entlassen wurde und dank Melischnigs Hilfe bei dessen Brauerei unterkam. Er machte den Lkw-Führerschein und war damit binnen weniger Wochen Melischnigs vorgesetzter Bierführer, da Melischnig selbst keinen Lkw-Führerschein hatte – warum, das ist eine eigene Geschichte. Neben anderen Dingen störte es Melischnig immens, dass Pogatschnig mit dem Bierwagen die vorgeschriebene Route verließ, wann immer es etwas zu ermitteln gab.

Dass Hubert Pogatschnig sein schräges Hobby mitunter übertrieb, zeigte sich an den Folgen. Einmal wurde er entführt und wochenlang bei Eiseskälte in einem Stallboden angekettet. Dass er dieses Abenteuer überlebte, verdankte er kurioserweise seinem verhassten Bruder Herbert, der sich damals von der Universität für Bodenkultur in Wien karenzieren ließ, um der Klagenfurter Kripo dabei zu helfen, seinen Bruder zu finden. Dass der Polizei, allen voran Chefinspektor Leopold Ogris, das nicht schmeckte versteht sich von selbst und hinzu kam noch, dass Herbert Pogatschnig ein unausstehlicher Charakter war. Ähnlich wie Hubert wusste er immer und überall alles besser und als Universitätsprofessor war es ihm überdies zur zweiten Natur geworden, seinen Willen mit selbstverständlicher Autorität durchzusetzen.

Herbert spielte auch beim Ableben seines Bruders eine wesentliche Rolle. Hatte er Hubert all die Jahre für dessen, wie Herbert fand, drolliges Hobby belächelt, war er durch die Tatsache, dass Hubert eines Tages von der Kripo als offizieller Berater engagiert wurde, regelrecht vor den Kopf gestoßen. Von Eifersucht getrieben kam er nach Klagenfurt und brach vor dem Sicherheitszentrum auf offener Straße einen Streit mit seinem Bruder vom Zaun. Unter den Anwesenden befand sich auch der Kärntner Landesrat Martin List, der in Huberts aktuellen Fall involviert war, sowie ein Mann, der List erschießen wollte. Als der Attentäter sein Gewehr aus seinem Mantel hob und auf den Landesrat anlegte, eskalierte Herberts und Huberts Streit gerade in Handgreiflichkeiten, wodurch Hubert in die Schussbahn geriet, was ihm das Leben kostete.

Danach brach für Herbert eine Welt zusammen. Er war sich dessen nie bewusst gewesen, doch der ständige Konflikt mit Hubert war so etwas wie ein Eckpfeiler seines Lebens gewesen, eine Quelle ständiger Selbstbestätigung und wohl auch Selbstrechtfertigung. Immerhin fühlt sich der, der auf einen anderen herabblickt selbst erhöht. Auch gab er sich die Schuld am Tod seines Bruders. Herbert Pogatschnig kehrte nach Wien zurück und vergrub sich in seinem Büro. Seine Welt war eine andere geworden, er selbst war ein anderer geworden, eine Rückkehr zu seinem alten Ich erschien ihm unmöglich, sogar den Kontakt zu seiner Familie brach er ab.

Erst jetzt, als Ludwig Melischnig unter Mordverdacht festgenommen wird, kommt wieder Leben in Herbert Pogatschnig. Er sieht es als seine Pflicht an, dem besten Freund seines Bruders zu helfen, immerhin hätte dieser ihm geholfen, wäre er noch hier. Doch die Rückkehr ist auch eine Heimkehr und Herbert muss sich von seinen Eltern die Frage gefallen lassen, warum er nicht mit ihnen getrauert hat …

Ich präsentiere den neuen Kneipen-Krimi „Die weiße Leber“ am kommenden Montag, den 13. April ab 19 Uhr im Seepark-Hotel in der Universitätsstraße 104 in Klagenfurt. Ich freue mich darauf, euch dort persönlich zu treffen!


Euer Roland Zingerle

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