Eine Textprobe für meine Fans

Diesmal habe ich etwas Besonderes für euch, nämlich eine Textprobe aus einem meiner derzeitigen Projekte. Viel Spaß!

 

* * * * * *

 

In der Polizeidienststelle Althofen legte Abteilungsinspektor Gebeneter den Hörer auf das Telefon und starrte in seine soeben angefertigte Notiz, wobei er den linken Nasenflügel nach oben zog, so dass ein Teil seiner Oberlippe folgte. Rudi, sein Kollege, wurde darauf aufmerksam.

„Was ist?“, fragte er.

Gebeneter kratzte sich am Kopf.

„Kennst du einen Irgerle?“

„Das ist ein Bauer in Boden. Um was geht’s?“

„Da hat eine junge Frau angerufen, die sich Maria nennt, die Tochter vom Irgerle“, Gebeneters Finger zeichneten Anführungszeichen in die Luft.

„Kenn ich. Was ist mit ihr?“

„Sie sagt, wir sollen schnell kommen, ihr Vater bringt den Maxl um.“

„Welchen Maxl?“

„Das hat sie eben nicht gesagt. Die war ziemlich aufgeregt, die Gute.“

Rudi überlegte. Der Irgerle war vielleicht ein Hitzkopf, aber sicherlich kein Mörder. Und die Maria – die war gerade im schlimmsten Stadium ihrer Pubertät und würde sicherlich nie den Nobelpreis gewinnen, aber sie würde sich nicht so aufregen, wenn es zum Beispiel um ihren Hofhund ginge. Außerdem hieß der Hund vom Irgerle nicht Maxl, sondern Seppi.

„Fahr du hinaus und schau dir das einmal an“, forderte Gebeneter seinen Kollegen auf. „Du kommst von dort, du kennst die Leute.“

Rudi brummte eine Zustimmung, nahm seine Kappe und verließ die Polizeidienststelle.

 

Der Irgerle-Hof lag am anderen Ende von Boden. Ab hier stieg die Straße an und verließ das kleine Tal über einen steilen Hügel wieder, hinter dem Sankt Klementen lag. Als Rudi in den Hof einbog, kam Seppi mit aufgeregtem Gebell daher gelaufen, welches aber reiner Theaterdonner war, wie sein wedelnder Schwanz verriet. Rudi stellte das Auto ab, stieg aus und sah sich um. Der Hund schnupperte an seiner Hand und ließ sich kurz streicheln, ehe er sich wieder trollte. Rudi spürte, wie sich seine Nackenhaare aufstellten. Alles war ruhig, aber es war zu ruhig! Da er aber nichts Verdächtiges erkennen konnte, wollte er in das Wirtschaftsgebäude gehen und dort nach dem Rechten sehen, als von irgendwoher eine hysterisch gellende Frauenstimme schrie:

„Hilfe! Polizei! Rudi! Schnell!“

Rudi hielt inne und sah sich mit ruckartigen Kopfbewegungen um, bis er erkannte, dass das Schreien vom ersten Stock des Bauernhauses her kam. Dort stand Maria an einem Fenster und fuchtelte panisch mit den Armen.

„Der Papa! Der Papa hat mich eingesperrt und will den Maxl umbringen! Aber er ist noch in der Küche!“

„Jetzt beruhig dich einmal.“ Rudi spürte seinen beschleunigten Herzschlag, doch er ignorierte ihn. „Wer ist der Maxl und warum will dein Vater ihn umbringen?“

Rudis ruhige Autorität wirkte auf Maria, sie war mit einem Schlag gefasster, als sie mit einem Satz beide Fragen des Polizisten beantwortete:

„Der Maxl ist mein Freund.“

Rudi konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verbeißen, fragte aber gleich weiter:

„Und wo ist er?“

„In der Melkkammer.“

„Und dein Papa ist in der Küche?“

„Ja.“

Rudi nickte und setzte sich wieder in Gang, um das Bauernhaus zu betreten. Wie hier am Land so üblich, war die Haustür offen. Um Missverständnisse zu vermeiden, grüßte Rudi laut, als er das Haus betrat, und klopfte dann an der Tür zur Wohnküche, ehe er diese öffnete. Am Küchentisch saßen der Irgerlebauer und seine Frau. In ihren Augen standen Verzweiflung und Sorge geschrieben, in seinen wilde Entschlossenheit. Letztere änderte sich auch nicht, als der Irgerle den Polizisten musterte, immerhin hatte er dessen Ankunft durch das Küchenfenster schon gesehen.

„Grüß euch“, sagte Rudi noch einmal. Die berufsbedingte, alles beherrschende Autorität, die durch seine Stimme zum Ausdruck kam, war im Laufe der Jahre zu einem Teil seines Charakters geworden. „Die Maria hat uns verständigt, dass bei euch ein Mord im Gange ist. Also, was ist da los?“

Die direkte Beschuldigung wirkte nun doch auf den Irgerle. Seine Augen weiteten sich und sein Gesicht bekam einen verblüfften, fast angstvollen Ausdruck.

„Ein Mord? So ein Blödsinn“, stammelte er.

Rudi setzte sich an den Tisch, ohne um Erlaubnis gefragt zu haben. Anstelle einer Antwort fixierte er den Hausherrn nur und zwang ihn so zu einer Erklärung.

„Ich hab ... ich hab meiner Tochter nur einen Riegel vorschieben müssen, das ist alles. Das lüsterne Luder hat sich was mit dem Maxl aus Sankt Klementen angefangen, da kann ich ja nicht einfach zuschauen.“

„Wie alt ist die Maria?“

Der Irgerle wich Rudis Blick peinlich berührt aus, sah dann aber seine Frau strafend an, als diese mit dünner Stimme antwortete:

„Neunzehn Jahre.“

Rudi ließ die Antwort wirken. Erst nach einigen Sekunden, die wie eine Ewigkeit wirkten, begann er wieder zu sprechen:

„Irgerle, deine Tochter ist volljährig. Die darf sich treffen, mit wem sie will.“

„Ach was, volljährig“, polterte der Irgerle, „die ist ja noch komplett unreif. Wenn ich nicht rund um die Uhr auf sie aufpasse, lässt sie sich von irgendeinem Dahergelaufenen ein Kind anbauen.“

„Der Maxl aus Sankt Klementen ist nicht irgendein Dahergelaufener, den kennen wir beide seit seiner Geburt.“ Der Irgerle reagierte nicht. „Wo ist der Maxl jetzt.“

Wieder verstrichen ein paar Sekunden, dann schien der Bauer zu erkennen, dass weiterer Widerstand sinnlos war und er sagte:

„In der Melkkammer.“

Rudi stand betont geräuschvoll auf.

„Dann gehen wir jetzt da hin.“

 

Rudi und der Irgerle marschierten auf das Stallgebäude zu. Der Polizist achtete darauf, immer einen Schritt hinter dem im Zorn nach vorne gebeugten Bauern zu bleiben, damit dieser nicht das Grinsen sah, das er sich einfach nicht mehr verkneifen konnte. Der eifersüchtige Vater sperrte den heimlichen Liebhaber seiner Tochter in die Melkkammer und bedrohte ihn mit Mord – gewisse Dinge würden sich am Land wohl nie ändern! Rudi war überrascht, als der Irgerle die Tür zur Melkkammer einfach öffnete, ohne sie vorher aufsperren zu müssen, doch als diese aufschwang, wusste er warum. Der einundzwanzigjährige Maxl stand mit erhobenen Händen an einer Wand und drehte sich in angstvoller Hast weg, als das Licht der untergehenden Sonne durch die Tür herein fiel. Der Irgerle hatte die Unterarme des jungen Mannes mit vielen Windungen einer Halterkette brutal zusammengeschnürt und diese mittels eines massiven Bogenschlosses an das Rohr gekettet, das die Milch aus dem Stall in den hier befindlichen Edelstahlbehälter leitete. Da das Rohr über Kopf in den Raum herein kam, hing Maxl daran, sobald er seine Knie abwinkelte. Wo die Haut zwischen den Kettenwindungen zu sehen war, war sie gerötet und abgeschürft und das Gesicht des jungen Mannes war gleich weiß wie der Inhalt der Leitung, an der er hing.

Der Irgerle machte eine einladende Bewegung, doch Rudi blieb in der Tür stehen. Nachdem er das Szenario in sich aufgenommen hatte, sah er den Bauern streng, um nicht zu sagen brutal an.

„Sag einmal, spinnst du?“

Ihre Ruhe und geringe Lautstärke verwandelten die Worte in eine ernstzunehmende Bedrohung. Der Irgerle sah angstvoll hoch, wollte sich rechtfertigen, unterließ es aber, als sein Blick den des Polizisten kreuzte. Dieser hielt ihm die offene Hand hin, eine Aufforderung, die der Bauer verstand. Er griff zum Milchcontainer und nahm von dessen eingefurchtem Rand einen Schlüssel, welcher keine Armeslänge von dem Angeketteten entfernt gelegen war; wohl eine psychologische Strafverschärfung des in der Ehre seiner Tochter gekränkten Vaters. Rudi nahm den Schlüssel und befreite Maxl.

„Alles in Ordnung?“

Maxl nickte nur ängstlich und rieb sich die Unterarme.

„Kann ich ... kann ich gehen?“

Rudi nickte, woraufhin sich der junge Mann zwischen dem Melkcontainer und dem dicken Bauch des Polizisten hindurch aus der engen Kammer quetschte. Er vermied jeden Blickkontakt mit dem Irgerle und ging ein paar wackelige Schritte über den Hof davon, ehe er zu laufen begann.

Mit unverändert drohendem Blick reichte Rudi dem Irgerle die Halterkette und ließ einige peinliche Sekunden verstreichen.

„Das machst du mir nicht mehr“, sagte er dann, „weil das nächste Mal nehme ich dich mit, ist das klar?“

Der Irgerle blickte zu Boden und nickte stumm.

 

 

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Bitte teilt mir mit, wie euch die Textstelle gefallen hat!

 

Bis zum nächsten Mal, euer Roland.

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Kommentare: 10
  • #1

    Richard (Donnerstag, 19 Juni 2014 18:22)

    Eine spannende, lustige, unterhaltsame Textstelle.

  • #2

    ilse (Freitag, 20 Juni 2014 17:44)

    amüsant , möchte mehr davon lesen.

  • #3

    Alexander Kopper (Samstag, 21 Juni 2014 10:25)

    Sehr lebhaft gischrieben. Alle haben es überlebt?

  • #4

    Conny (Donnerstag, 31 Juli 2014 10:34)

    Der Text fesselt und ich bin gespannt auf mehr. Gefällt mir sehr gut.

  • #5

    Charolette Merino (Donnerstag, 02 Februar 2017 12:34)


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  • #7

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  • #8

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  • #10

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