Wie man mit 14 Studenten 1 Krimi präsentiert

Da die Entstehung von „Ausgekegelt“ ein Uni-Projekt war, war auch die öffentliche Präsentation des fertigen Heftes Teil dieses Projekts. Zunächst besprachen meine Studenten und ich das Design der Veranstaltung. Es sollte am Abend stattfinden, so dass möglichst viele Besucher Zeit finden würden, außerdem sollte es keine gewöhnliche Lesung werden, sondern ein Erlebnis für alle Beteiligten. Außerdem sollte die Veranstaltung nach Möglichkeit nichts kosten, da das Projektbudget mit der Herstellung des Heftes aufgebraucht war.

Wir einigten uns darauf, einen Tatort zu konstruieren und die Zuhörer wie Ermittler um ihn herum anzuordnen. Für die musikalische Umrahmung hatte sich Christian „CHL“ Lehner mit seiner Band bereit erklärt, von ihm stammt schon der Kneipen-Krimi-Song „Augen wie ein Adler“.

 

Die Planung der Lesung selbst war eine etwas haarige Angelegenheit. Wer Lesungen besucht oder selbst veranstaltet hat weiß, dass fünfzig Minuten Lesezeit eine magische Grenze darstellen, ab der die Zuhörer unaufmerksam werden, wodurch die Lesung für alle zur Qual wird. Ich stand also vor dem Problem, dass vierzehn Studenten lesen sollten, ohne dass es langweilig würde.

Die Lösung kupferte ich von einer Lesenacht ab, die die IG Autoren Klagenfurt veranstaltet hatte und bei der jeder Vortragende höchstens fünf Minuten Lesezeit hatte. Ich bläute meinen Studenten also ein, sich auf fünf Minuten Lesezeit zu beschränken, denn dadurch wäre für Abwechslung gesorgt. Dass wir damit noch immer auf siebzig Minuten kamen, entschärfte ich, indem ich nach jeweils fünf Lesern eine kurze Pause einzog, in der die Band ein Lied spielte.

 

Am Veranstaltungsabend zogen alle beteiligten Autoren alle Register. Wir hielten die Veranstaltung in einem Vortragssaal der Universität ab, auf dessen Boden wir mit weißem Klebeband die Silhouette eines liegenden Menschen aufbrachten. Als Blutflecken diente rote Grütze, die auf einer Klarsichtfolie lag, so war der Boden geschont. Ein Messer, ein Kegel sowie einige weitere Beweisstücke platzierten wir um die improvisierte Kreidezeichnung und stellten ihnen nummerierte Täfelchen bei. Das ganze Kleinareal umzäunten wir mit einem Absperrband. Die Sessel für die Zuhörer ordneten wir halbkreisförmig um diesen Tatort herum an, so dass alle zu dem Rednerpult blickten, an dem die einzelnen Vortragenden stehen würden und welches wir hinter der Absperrung aufstellten.

Auch an eine spezielle Adjustierung hatten wir gedacht. Der Idee einer der Studentinnen folgend hatten wir schwarze T-Shirts herstellen lassen, auf denen jeweils ein Satz aufgedruckt war, der aus dem Text desjenigen stammte, der das T-Shirt trug. So waren wir gleichzeitig uniformiert und individuell. Eine andere Studentin hatte einen Polizisten in der Verwandtschaft, der uns mit einigen der Requisiten aushalf. So auch mit seiner privaten Sammlung von Polizeikappen, die die Studentinnen und Studenten trugen, während sie die Besucher vor Beginn der Veranstaltung einwiesen.

Um den Weg vom Haupteingang der Uni bis zum Veranstaltungssaal zu kennzeichnen, hatten wir ein Leitsystem aus Hinweistafeln aufgebaut, an denen jeweils zwei Studentinnen standen und die Ankömmlinge weiterwinkten. (Sie wissen schon: „Bitte weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen!“ und so weiter.) am Saaleingang bekam jeder ein paar Plastiküberzüge für die Schuhe überreicht, quasi um den Tatort nicht zu beschmutzen. Diese Überzüge stammten von wieder einer anderen Studentin, die Zugang zu Ärztebedarf für den Operationssaal hatte.

Getränke hatten wir zusammengeschnorrt und boten diese gegen eine freiwillige Spende an. Das Geld, das wir damit einnahmen, sollte der Musik zugutekommen, die wir uns anders nicht hätten leisten können.

 

Der Abend wurde ein voller Erfolg. Zwar kamen nur relativ wenige Besucher, weil es der erste wirklich heiße Abend des Jahres war und die Leute lieber in den Gastgärten oder am Wörthersee saßen, doch diejenigen die kamen, waren hellauf begeistert. Auch die Studentinnen und Studenten liefen zu nicht geahnten Hochformen auf.

 

Man muss wissen, dass das erstmalige Lesen aus einem selbstverfassten belletristischen Text vor einem öffentlichen und damit fremden Publikum eine große Überwindung darstellt. Immerhin gibt man einen Teil, der der eigenen Seele entsprungen ist der öffentlichen Kritik Preis. Aber genau deshalb wollte ich, dass meine Studentinnen und Studenten es taten: denn diese Selbstüberwindung führt zu einem großen Erfolgserlebnis und dieses gönnte ich ihnen aus vollem Herzen.

Freilich, nicht jeder ist für die Bühne geboren, aber viele sind es und wissen es gar nicht. So zeigten sich auch an diesem Abend Showtalente, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Und auch diejenigen, die nicht für die Bühne geboren waren, hielten sich denkbar gut. Es gab keine Aussetzer, keine Hänger, kein Stocken oder gar Verweigern. Die Gruppe funktionierte und deshalb funktionierte auch jeder Einzelne.

 

Zwei Highlights möchte ich hier anführen. Zum einen war dies eine Studentin, die aus den USA stammte und die sich das ganze Semester über schwer mit der deutschen Sprache und noch schwerer mit dem Kärntner Dialekt getan hatte. Anscheinend hatte sie ihre Lesung exzessiv geübt, denn ihr Vortrag war nicht nur flüssig sondern auch erstaunlich akzentarm.

Zum anderen hatte ein Student den Mut aufgebracht, den Lehrveranstaltungsleiter in seinem Text der Lächerlichkeit preiszugeben. Wie bereits in einem der letzten Blogs geschildert, hatte ich mir vom ersten Kneipen-Krimi an ausbedungen, selbst in einer kurzen Textstelle aufzutreten. Das sollte auch hier so sein und besagter Student schrieb das Kapitel mit meinem Auftritt. Er stellte mich als Säufer dar, der mit der Hauptfigur in eine Thekenstreiterei gerät, die fast in eine Schlägerei ausartete.

Als der Student diese Textstelle vor dem Publikum las, lachten alle aus vollem Hals – und am meisten ich.

 

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