Dialekt & Dichte Handlung: Ein Kneipen-Krimi der Extreme

Man möchte meinen, weniger Text bedeute weniger Arbeit. In den meisten Fällen ist das jedoch nicht der Fall und bei einem Krimi verhält es sich überhaupt umgekehrt: Je weniger Platz zur Verfügung steht, desto schwieriger ist das Unterfangen.

Ein wichtiges Element des Kriminalromans ist die Verwirrung, die der Autor stiftet, um den Leser in die Irre zu führen. Das erreicht der Autor, indem er mehrere ähnlich stark tatmotivierte Figuren auftreten lässt, von denen in der Regel nur eine mit der Tat zu tun hat, die anderen Handlungsverläufe sind sogenannte Blindspuren. Um die harmlosen Spuren verdächtig erscheinen zu lassen, muss der Autor sie mit der gleichen Akribie entwickeln, wie die tatsächliche Spur und dazu braucht er Platz.

 

Für einen Kriminalroman hat der Kneipen-Krimi einen relativ geringen Umfang, doch dieser reicht aus, um zumindest eine Blindspur gut zu entwickeln und einige weitere Verdächtige so nebenbei auftreten zu lassen, dass der Leser sie als verdächtig empfindet.

„Ausgekegelt“ bildet hier eine Ausnahme. Der Krimi war ja ein studentisches Schreibprojekt – ich habe im letzten Blog darüber berichtet –, was mitunter zur Folge hatte, dass hier mehr Ideen verbraten werden mussten, als sonst üblich. Die Geschichte kann deshalb mit relativ vielen Morden aufwarten, die Handlungsdichte ist sehr hoch. Dies im üblichen Kneipen-Krimi-Umfang unterzubringen ging sicherlich zulasten der Atmosphäre, aber zugunsten des Tempos.

 

Erzählstrategisch gliedert sich die erwähnte Handlungsdichte in mehrere Handlungsstränge. Der Mord an Peppi Ramsbacher im Gasthaus „Zum Goldenen Kegel“ bildet den Anfang der Hauptgeschichte, in der Hubert Pogatschnig und Ludwig Melischnig einander kennen- und schätzen lernen. Dieser Mord hängt eng mit einem anderen zusammen, welcher bereits vor Beginn der Geschichte geschehen ist. Das damalige Opfer – Jakob Lutschounig – war ebenfalls erstochen und seiner Leiche ein Kegel in den Rachen gedrückt worden. Mehr noch, beide Morde fanden im „Goldenen Kegel“ statt, dem Vereinslokal des Bierfahrer-Kegelklubs „lustige Bierbuam“.

Verdächtig sind in erster Konsequenz der Wirt des Lokals sowie Jakob Lutschounigs Ehefrau bzw. spätere Witwe. Aber noch weitere Verdächtige tauchen auf: Eine angebliche Geheimgesellschaft, die sich regelmäßig im „Bierlokal Julius“ trifft. Da man nichts Genaueres weiß, will sich Hubert Pogatschnig hier schlau machen, kollidiert allerdings mit dem Inhaber des Lokals, der noch eine Rechnung mit Pogatschnig offen hat. Ein weiterer neuer Handlungsstrang kommt mit Felix Sonnleitner hinzu. Dieser ist einer der Bierführer, die die Brauerei neu aufnimmt, um den Abgang durch Mord auszugleichen. Sonnleitner ersetzt Melischnigs ehemaligen Vorgesetzten Peppi Ramsbacher. Das führt insofern zu Konflikten, als der Neue um einiges jünger ist als Melischnig, aber dennoch dessen Vorgesetzter wird.

Als mit Helmut Laschkolnig ein weiteres Klubmitglied in gleicher Weise wie die vorangegangenen ermordet wird, wird es für alle eng: Für die kegelnden Bierfahrer, die sich ja nun ihres Lebens nicht mehr sicher sein können und für die Ermittler, die noch keine konkrete Spur haben.

Ich will an dieser Stelle nicht mehr verraten.

 

Ein in den Kneipen-Krimi-Handlungen übliches Instrument zur Förderung des regionalen Charmes, nämlich vereinzelte Kärntner Dialektausdrücke, kommt auch in „Ausgekegelt“ zum Einsatz. Diese Ausdrücke werden jeweils hochsprachlich erläutert, was nicht immer einfach ist. Wenn man in diesem Dialektgebiet aufgewachsen ist, hinterfragt man die Eigenheiten diverser sprachlicher Ausformungen nicht. Muss man sie erklären, ertappt man sich oft dabei, wie man Maulaffen feilhaltend nachdenkt, ohne rasch eine passende Entsprechung in der Hochsprache zu finden.

Einige Beispiele zur Illustration: Wenn Melischnig erklärt, er hätte die Prüfung für den LKW-Führerschein mehrmals „versemmelt“, so findet sich rasch „ich bin durchgefallen“ als Übersetzung. Mehr Bedeutungsspielraum bekommt man bei alltagssprachlichen Idiomen, wie etwa „kamotes Haus“. Freilich passt die Übersetzung „netter Kerl“ inhaltlich, trifft aber die emotionale Komponente nicht exakt. Diese geht nämlich eher in die Richtung, dass der besagte Kerl einer ist, mit dem man z. B. auf mehrere Biere gehen kann, ohne befürchten zu müssen, dass er im Rausch unangenehm wird. Das berücksichtigt „netter Kerl“ in keiner Weise. Wirklich komplex wird es bei Dialektausdrücken, die eine Bedeutungsübertragung in sich bergen. Berichtet Adelheid Lutschounig wenig damenhaft von „Fußball-Gestörten“, so meint sie damit einen Zusammenhang, der wie folgt erklärt werden muss: „‚Gestörter’: herabsetzende Mundart-Bezeichnung für einen Menschen mit geistiger Behinderung. Findet auch Anwendung bei Menschen ohne Behinderung, um ihnen eine solche anzudichten“.

 

Im nächsten Blog berichte ich über die Entstehung einzelner Handlungselemente.

Wir lesen uns!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Alesha Shah (Montag, 06 Februar 2017 23:02)


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