Ein Übergang

Es ist nun schon einige Zeit her, dass ich etwas von Kurt gehört habe, weshalb ich auch nicht daran dachte, über ihn zu schreiben. Jetzt kam er mir wieder einmal in den Sinn und ich erkundigte mich nach ihm. Ihr könnt euch mein Erstaunen vorstellen, als ich erfuhr, dass er schon im Oktober vergangenen Jahres ausgewandert ist – nämlich in die Steiermark.

Reflexartig fragte ich mich, was ein Lebewesen, das so auf Gedeih und Verderb mit seinem natürlichen Biotop verbunden ist wie Kurt mit Klagenfurt, dazu bringen kann, das Revier zu wechseln. Doch die Antwort war beschämend einfach: Der Fortpflanzungstrieb hatte durchgeschlagen, Kurt hat sich verliebt.

 

Offenbar, so erzählte man mir, war er im Zuge eines Besuchs bei seiner Tante in Graz Zeuge eines Überfalls im Stadtpark geworden. Einer hübschen jungen Frau war die Handtasche entrissen worden, wonach Kurt nicht nur die aus dem Gleichgewicht Geratene auffing sondern dann auch dem Täter so lange nachsetzte, bis dieser Nerven und erbeutete Handtasche wegschmiss. Kurt brachte der Schönen ihr Eigentum zurück, woraufhin diese sich stante pede und Hals über Kopf in ihn verliebte. Kurt blieb bei ihr in Graz, wo beide nun glücklich und zufrieden leben und angeblich Hochzeitspläne schmieden.

 

Soweit die romantische Fassung der Geschichte.

Eine andere besagt, Kurt hätte beim Spazierengehen nicht aufgepasst und wäre mit der (in dieser Version weder besonders jungen noch hübschen) Frau zusammengestoßen. Daraufhin hätte er sich peinlich berührt tausendmal entschuldigt, was der Dame ein Lächeln abrang – welches sofort alle von Kurts beiden Sicherungen durchbrennen ließ. Er merkte sich das Kennzeichen des Autos, in das die Frau einstieg. Seither ist er als Taxifahrer in Graz unterwegs, getrieben von der vagen aber brennenden Hoffnung, jenem Auto mit jener Nummer und jener Lenkerin zu begegnen, welche ihm nicht mehr aus seinem haarumkränzten Glatzkopf gehen will.

 

Soweit ich Kurt kenne, gebe ich Version 2 mehr Glaubhaftigkeitspunkte.

 

Aber welche Version auch stimmen mag, Kurt lebt nun in Graz, wo er die beiden Dinge tut, die er am besten kann: Taxifahren und seinen Mitmenschen mit krausen Ideen auf die Nerven gehen.

 

Mich bringt das in eine doppelt blöde Situation: Einerseits habe ich durch Kurts Verschwinden eine ungeplant lange Blog-Pause eingelegt und andererseits fehlt mir nun eine Vergleichsperson, neben der ich – erhaben-nachsichtig schmunzelnd – glänzen kann. Ich habe daher beschlossen, von nun an nur noch über meinen eigenen Kram zu schreiben.

Dieser Blog wird ab sofort von meinem literarischen Schaffen berichten, allem voran von meinen Kneipen-Krimis. Ich habe vor, euch im zwei-Wochen-Takt Hintergrundinfos zu Handlungen, Figuren und Stile der einzelnen Kneipen-Krimis zu liefern, über die Entstehung einzelner Ideen zu plaudern sowie Anekdoten zu erzählen, die ich rund um meine Krimi-Aktivitäten in den vergangenen sieben Jahren erlebt habe. Die eine oder andere Überraschung wird auch dabei sein.

 

Bleibt mir also vorerst treu, weglaufen könnt Ihr dann ja immer noch.

Danke und bis bald, euer Roland Zingerle

 

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